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Erfahre, was  “Ritucarya” mit Dir, Ayurveda

Yoga und dem Spätsommer zu tun hat 

Es ist wieder soweit, die ersten goldenen Blätter schwimmen auf der Pool-Oberfläche, feierliches, goldenes Septemberlicht und  kühlere Nächte, kündigen  den Herbst an. 

Grund zur Freude

Das Gute vorweg: aus Ayurveda Yoga Perspektive ist unser „Spätsommer“  eine ganz besondere Zeit, auf die Du Dich freuen darfst!  Am 22. August hat bereits, die bis zum 21. Oktober andauernde, im Ayurveda Yoga als “ Sharada Ritu” bezeichnete Herbst -Periode begonnen. Wir würden es wahrscheinlich lieber „Spät-Sommer“ nennen.  Es ist kein Zufall, dass der Beginn des neuen Schuljahres und der Start vieler Lehrgänge (auch der vieler Ayurveda Yoga Kurse) genau in diesen Zeitraum fällt. Das hat seinen Grund: wir haben den Sommer über viel Hitze und Energie angesammelt und das macht uns aktiv, zielstrebig und verleiht uns in der Regel großen Tatendrang. Vielleicht hast Du noch ein Projekt in der Schublade?  Dann ist  jetzt für Dich der perfekte Zeitpunkt, um es hervorzuholen und es endlich anzupacken!?

 …weil die Steinzeit- Menschen unsere Vorfahren waren und alles mit allem zusammenhängt

Im Ayurveda Yoga wird viel Gewicht auf den Erhalt der Gesundheit, also auf die Prävention von gelegt. Dabei spielen an die Jahreszeiten angepasste Verhaltensregeln eine sehr wichtige Rolle. Wenn Du Dir ins Gedächtnis rufst, dass wir auch als moderne Menschen weiterhin von vielen Faktoren, die uns die Evolution mitgegeben hat, geprägt sind, ist das eigentlich ganz logisch. Das Überleben unserer Vorfahren war immer extrem von einer guten Einbindung in die Jahreszyklen abhängig. Noch bei unseren Groß- -und Urgroßeltern war das meistens noch viel mehr der Fall als heutzutage. In unserem modernen Leben mit Klimaanlagen, elektrischem Licht etc., entfernen wir uns leider immer mehr von den natürlichen Vorgaben der Jahreszeiten. Unser inneren Biorhythmus gerät damit leicht aus dem Gleichgewicht. Das muss aber nicht sein!

 

 Weil im Kosmos alles mit allem und auch mit Dir verbunden ist …..

Die Lehre des Ayurveda Yoga hat schon vor Jahrtausenden erkannt, wie wichtig es ist, die jeweiligen Eigenschaften einer Saison so zu nutzen, dass Sie zu unserem Wohlbefinden beitragen. Aber die Medaille hat 2 Seiten, deswegen geht es andererseits auch darum, sich von möglichen, negativen Auswirkungen der Saison zu schützen. 

“Ritucarya” –  die ayurvedische Lehre von der Anpassung an die Jahreszeiten –  bietet die Lösung!

Ein ”Ritu” entspricht dabei jedoch nicht  unserer Einteilung der Jahreszeiten. Im Ayurveda wurden aufgrund astrologischer und astronomischer Gegebenheiten  sechs  „Ritu“-Sektionen als Jahreszeiten bestimmt. Zurecht fragst Du Dich nun vielleicht, welche Bedeutung diese charakteristischen Aussagen einer von den indischen Klimaverhältnissen bestimmten Lehre für unser hiesiges Leben haben kann? Das ließ auch mich anfangs zweifeln, bis ich immer mehr verstanden habe, dass es sich bei Ayurveda Yoga, um eine universale Lehre handelt. Seine Regeln und Gesetze lassen sich übersetzen und anpassen. Die  Prinzipien des Ayurveda Yoga können wir auf alle Lebensräume beziehen und anwenden und haben deswegen auch für uns  Gültigkeit.

im Umbruch…

Du kennst das bestimmt….der Umbruch der Jahreszeiten versetzt uns in eine andere Stimmung und weckt andere Bedürfnisse. Du kennst das, im Winter hast Du wahrscheinlich eher  Appetit auf eine deftige, nährende Kartoffelrahmsuppe, während Du im Hochsommer wohl eher eine Gurken-Kaltschale oder Gazpacho den Vorrang geben würdest? Im Herbst ist uns meistens mehr nach Aktivität zumute als im nass-kalten Winter, wenn wir es uns lieber Zuhause mit einem Buch, heißem Tee und Wolldecke auf dem Sofa gemütlich machen. 

Der Umbruch der Jahreszeiten wirkt grundsätzlich stimulierend. Laut Ayurveda Yoga gilt es, diesen Reiz positiv zu nutzen, aber auch maßvoll abzumildern, um negative Überreaktionen zu verhindern. Gerade in der ersten Woche eines  Übergangs von einer Jahreszeit-Periode in die nächste, ist unser Körper und unser Gefühls-Kleid oftmals besonders sensibel und anfällig, obwohl die Übergänge der Jahreszeiten ja eigentlich gleitend ineinander übergehen. 

 Typische Reaktionen auf die Feuer-Energie (Im Ayurveda “Pitta” genannt) bleiben leider nicht immer aus. Manchmal kommt es zu einer übermäßigen Ansammlung der “Pitta”-Energie, die sich zunächst in einem leichten Unwohlsein, Müdigkeit oder Verdauungsbeschwerden zeigt. Auch Entzündungen, Rötungen und Ausschlägen können uns plagen. Bis zu diesem Punkt ist meistens noch keine Krankheit entstanden, es handelt sich vielmehr um eine erste “Provokation”. Jetzt heißt es zu verhindern, dass die Immunkraft noch  weiter geschwächt wird und dadurch einer sekundären Infektion der Weg gebahnt wird. Nicht,  dass mit der Zeit noch weitere Stellen des Organismus geschwächt hervorgehen, sodass in der Folge ernste Krankheiten entstehen. 

Dem können wir generell entgegenwirken, indem wir nun unsere Ernährung der Jahreszeit anpassen.Deswegen: gönne Dir in diesen kritischen Wochen der Übergangs-Phasen, vorsichtshalber lieber einfach mal  etwas mehr Ruhe und Schlaf (aber nicht tagsüber!) und versuche, emotionalen Herausforderungen so gut wie möglich aus dem Weg zu gehen.   

 

Wie Du die goldene Seite des Spätsommers oder Frühherbst ernten kannst

Jetzt , im Spätsommer oder Frühherbst geht es im Ayurveda Yoga darum, überschüssiges “Pitta” auszuleiten, um somit unseren Körper für den Herbst stark zu machen. 

Wie machst Du das?

Ayurveda berücksichtigt viele verschiedene Aspekte in der Gesundheitsvorsorge. Nachfolgend möchte ich Dir einige allgemeinen Richtlinien für den Spätsommer mit auf den Weg geben. Du kannst davon ausgehen, dass jetzt eher Getränke und Nahrungsmittel von leichter, kalter (aber nicht eiskalt aus dem Kühlschrank) und süßer Qualität optimal sind. Integriere auch bittere und zusammenziehende Gemüse, Kräuter und süße Beeren, aber halte den Verzehr in Grenzen. Vor allem Bitteres solltest Du,  wenn dann Ende September/Anfang Oktober wieder mehr Herbstwinde ins Spiel kommen (das würde zuviel Vata-Energie anhäufen) auf deinem Speiseplan reduzieren.

 Regional oder lieber Multi-Kulti?

Indem Du regionale, traditionelle Freiland-Ernte einkaufst, handelst Du nicht nur nachhaltig und umweltfreundlich, sondern folgst in der Regel  mühelos  der richtigen Kost. Die Natur stellt mit Ihrer Intelligenz  zu jeder Jahreszeit automatisch die passenden Gemüse-und Obstsorten zur Ernte bereit. 

Mein Tipp:  Im Internet findest Du diverse Saison-Kalender für die regionale Ernte, zum Beispiel:

https://www.demeter.de/saisonkalender

https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/konsumressourcenmuell/150828-nabu_saisonkalender.pdf

Einfach ausdrucken und in den Küchenschrank hängen und vor dem nächsten Einkauf einen Blick darauf werfen!

Alternativ kannst Du auch die Lieferung einer regionale Bio-Obst-oder Gemüsekiste abonnieren.

 

Ein gängiges Missverständnis…

Ayurvedisch kochen bedeutet nicht, dass Du, was deine Ernährung angeht, ab sofort Indisch kochen musst. In der ayurvedischen Ernährungs-Lehre spielt vielmehr neben der Berücksichtigung deiner individuellen Konstitution, die Beachtung der jeweiligen Jahreszeit vor Ort eine große Rolle. Ganz nach dem Motto: „alles zu seiner Zeit“!

 

Lokal, regional, international oder integral?

Ayurveda berücksichtigt in seinen Ernährungs-Empfehlungen nicht nur die individuelle Konstitution, sondern auch den Ort und die Saison. Es wird davon ausgegangen, dass die Lebensmittel Deines Lebensraumes Dir besonders gut bekommen und so eine besonders große Wirksamkeit entfalten können. Mittlerweile gedeihen “dank” Klimawandel auch viele Gemüse-und Früchtesorten bei uns, die früher nur in der Ferne kultiviert wurden. Viele “heimische” Lebensmittel wie zum Beispiel Tomaten und Kartoffeln sind inzwischen so in unserem Gemüseanbau und auf unserem Speiseplan integriert, dass sie nicht mehr wegzudenken sind. Oft  vergessen wir, dass sie ihren Ursprung in fernen Ländern haben. Das gleiche gilt für viele gängige Gewürze, denke nur an Pfeffer oder an typische Genussmittel wie Kaffee und Tee. Auch unser Körper scheint sich darauf eingestellt zu haben. 

Vielleicht macht es aus ayurvedischer und ökologischer Sicht  Sinn, wann immer gleichwertige, regionale Heilpflanzen und Heilkräuter zur Verfügung stehen, diesen den Vorzug zu geben. Zugegeben, das ist ohne fachlichen Rat nicht so leicht zu bestimmen und einzuordnen. Trotzdem glaube ich, dass auch exotische Gewürze und Pflanzen-Medizin aus anderen Kulturen, bei uns Ihre Berechtigung haben. Ich wollte nicht mehr auf Tomaten, Kartoffeln und Pfeffer verzichten und inzwischen ist mir auch die Verwendung von frischem Kurkuma, Kokosmilch und 1000 anderen exotischen Produkten ans Herz gewachsen. Der Schwerpunkt meiner Ernährung machen regionale Bio-Produkte aus, aber ich liebe es einfach, neue Rezepte und Produkte  auszuprobieren. Unsere Welt rückt durch das Internet und die moderne Infrastruktur in vielen Beziehungen immer mehr zusammen und ich finde,  wir dürfen auch die Vorteile schätzen und nutzen. Ich sehe sie als ein Geschenk. Ayurveda unterlag schon immer vielen Einflüssen und Wandlungen. Es ist eine flexible und anpassungsfähige Lehre, die dafür offen ist, all diese Strömungen ganzheitlich zu integrieren.  

Meiner Meinung nach also kein Grund, Dir einen Kopf zu machen, wenn Dich der Reiz unserer Multi-Kulti-Gesellschaft in seinen Bann zieht und Du Lust hast ein ausländisches Restaurant zu besuchen. Vielleicht möchtest Du  ab und zu exotische Rezepte ausprobieren anstatt nur typisch deutsche Gerichte zu servieren. Auch das erlaubt der ayurvedische Lebensstil. Es geht überhaupt nicht darum, irgendwelche Regeln nach Vorschrift zu befolgen, ohne dass es für Dich stimmig ist.

Die 80/20 Regel gilt auch im Ayurveda

Mir ist in Erinnerung geblieben, wie der Referent eines Ayurveda Yoga Vortrages sagte, dass  es reiche, zu 80% den Richtlinien des Ayurvedas zu folgen. Ein Freibrief also, was die anderen 20% angeht, zu „sündigen“….

Es wird auch geraten, nicht von heute auf morgen den gesamten Lebensstil umzukrempeln, sondern Stück für Stück kleine Veränderungen einzubauen, um anschließend innezuhalten und Dich selbst zu fragen, wie es Dir damit geht. Es geht bei Ayurveda also nicht darum einen radikalen Wandel durchzuziehen, sondern das eigene Körpergefühl zu optimieren und Deine Sinne zu schärfen, damit Du spürst, was Dir wirklich gut tut.

 

Vorsicht Falle! 

Vielleicht schreit dein Körper ständig nach Junkfood wie  Eiscreme oder gesalzenen Erdnußflips – dann ist er wahrscheinlich zu doll  aus dem Gleichgewicht geraten. In diesem Fall versuchst Du doch besser etwas Disziplin walten zu lassen um zunächst schrittweise mehr ayurvedische Tipps in Deinem Alltag umzusetzen.  Du wirst dann von selbst merken, wann Du Dich wieder mehr ausbalanciert fühlst. Dann ist es an der Zeit , endlich wieder Deiner inneren Stimme zu vertrauen.

Experimentiere, probiere es aus und teste!

Nachfolgend findest Du einige allgemeine ayurvedische Ernährungs-Empfehlungen für Deine spätsommerliche  Einkaufsliste. 

 

Grundsätzlich sind nun Nahrungsmittel mit süßem, bitterem und zusammenziehendem  Geschmack optimal, um das überschüssiges “Pitta” zu dämpfen. Dem zugrunde liegt das Prinzip, dass man  Überschüsse einer Energie mit den entsprechenden Gegensätze neutralisieren kann. 

  

  • Gemüse: Blumenkohl, Stangenbohnen, Zucchini, Kohl, Fenchel, Möhren, der erste Kürbis, Aubergine, Artischocken
  • Getreide: Gerste und Basmati-Reis , Weizen,
  • Früchte: Brombeeren, Mirabellen, Pflaumen, Trauben, Wassermelonen, Feigen, Kokos etc. Dabei sollten Früchte zwar regelmäßig, aber in eher  kleinen Mengen verzehrt werden, genauso wie Trockenobst und  Milchprodukte ( Joghurt zu dieser Jahreszeit möglichst ganz weglassen).
  • Gewürze: Bockshornklee, Hung, Ingwer, Knoblauch, Muskatnuss, Fenchel, Koriander, Kurkuma, Kardamom
  • Getränke: achte darauf, stets genug zu trinken zum Beispiel Leitungswasser, Pfefferminz oder Tulsi Tee. Auch eine Teemischung aus gleichen Teilen Korianderkörner, Fenchel-und Kreuzkümmelsamen (jeweils 1/2 Teelöffel pro Liter Wasser im Topf aufkochen und ca 10-20 Min simmern lassen. Anschließend in eine Thermoskanne füllen und über den Tag verteilt bis 18h trinken). Das tut gut und ist gleichzeitig Balsam für deinen Darm.

 

Was Du jetzt besser sein lässt?

  • tagsüber schlafen 
  • Lebensmittel die vorwiegend sauer, scharf oder salzig sind
  • mit viel Öl kochen (Bevorzuge Ghee, das  lässt das Pitta nicht ansteigen), 
  • zuviel Sex (siehe nächster Punkt)

 

Sex im Früh-Herbst:

Vielleicht wunderst Du dich, aber es ist so, Ayurveda ist die Lehre vom Leben und lässt keinen Bereich aus. 

Die Anpassung der sexuellen Aktivitäten an das Alter. die Konstitution und besonders die Jahreszeiten, spielt im Ayurveda eine wichtige Rolle.

  • Hier das grundsätzliche Prinzip was die verschiedenen Jahreszeiten angeht:
  • bei Hitze weniger Sex (Anhaltspunkt 3 Mal/Monat) das heisst es Abschied nehmen von der verbreiteten Idee von “Sonne, Sand und Sex” 
  • bei mittleren Temperaturen (3/Woche) 
  • und im Winter bei Kälte nach Lust und Laune 

Probieren geht über Studieren 

 

Was tut Dir noch besonders gut im Spätsommer?

  • Spaziergänge im Wald und an Seen-Landschaften
  • Schwimmen in kühlen Gewässern
  • Abschalten vom Berufsalltag
  • Meditation
  • Yoga-Asanas: Vorbeugen und Drehungen (wirken Pitta senkend)
  • die Gesellschaft ruhiger, friedvoller Mitmenschen 
  • Aloe Vera – oder Sandelholz-Hautpflege-Produkte oder Kokosöl verschaffen der Haut die notwendige Kühlung

 

 

Merke

Im Ayurveda wird größten Wert auf eigenverantwortliches Streben richtig und   gesund zu leben, gelegt. Im Sanskrit steht der Ausdruck  “Svasthavratta”, für die persönliche Hygiene – wörtlich übersetzt: “die Lebensweise, die der eigenen Natur gehorcht”. Laut Ayurveda ist die Harmonie unser naturgegebener Zustand. Um diese Balance aufrecht zu erhalten oder wieder zu erlangen, ist es wichtig, in uns hinein zu spüren. So kannst Du Deine wahre Natur und Deine  Bedürfnisse erkennen, um danach zu leben. Verschiedene ayurvedischen Richtlinien geben uns dabei eine praktische Hilfestellung. Für ein glückliches und gesundes Leben ist es laut Ayurveda wichtig, dass wir uns selbst achten, hegen und pflegen. Ritucharya verkörpert eine der verschiedenen ayurvedische Verhaltens-Regeln des „Svasthavrtta“ und lehrt uns, die unterschiedlichen Jahreszeiten zu respektieren und im Einklang mit der Natur zu leben – eine super Möglichkeit, Deine Gesundheit zu optimieren!

Und Du,  startest Du mit etwas Neuem in den Spätsommer? Oder hast Du spezielle Tipps und Anregungen für diese Jahreszeit? Ich freue mich über Deinen Kommentar.